David Mandelzys, Autor im kanadischen Culture Magazine und in Kanada lebender jüdischer Mensch, schreibt seinen Eltern – und damit seiner Elterngeneration – diesen offenen Brief:
“Liebe Mutter, lieber Vater,
Ich hab Neuigkeiten für Euch. Die Zeiten ändern sich! Erinnert Ihr euch an das letzte Pessach-Fest? Erinnert Ihr Euch daran, als wir alle am Sederabend um unseren Tisch herum saßen, und Euren Tiraden über Israels Opferrolle zuhörten? Eure Tiraden darüber, dass ethnische Säuberungen doch nicht so schlimm seien? Und dass wenn sie nochmal die Juden töten wollen, dass wir sie dieses mal wenigstens alle mit in den Tod reißen werden? Erinnert Ihr Euch daran, dass meine Cousins alle die Augen verdrehten und wir und alle Blicke zuwarfen und dachten ihr spinnt doch?
Es waren damals vier Fragen, über die wir nachdachten:
Erstens: Warum rechtfertigen wir an einem solchen Abend, an dem wir der Geschichte unseres eigenen unterdrückten Volkes gedenken, gleichzeitig die Unterdrückung der Palästinenser?
Zweitens: Warum sind an diesem Abend, an dem Israelis feiern können, die Palästinenser durch eine Ausgangssperre eingesperrt, wie es während der meisten jüdischen Feiertage der Fall ist?
Drittens: Warum sollten wir hier in Kanada, wo wir unter der christlichen Mehrheit eine Minderheit sind, einen ‘jüdischen Staat’ im Nahen Osten unterstützen, in welchem die nicht-jüdische Minderheit als Bürger zweiter Klasse behandelt wird?
Viertens: Sollten wir uns das Recht herausnehmen, andere Menschen aus ihren Häusern zu vertreiben, damit wir selbst dort leben können, nur weil wir am Ende jedes Sederabends ‘nächstes Jahr in Jerusalem’ sagen? >>>>Weiterlesen
